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REISE nach GAZA (via Israel)  zwecks Improvisionen-Kooperation – oder: wie bringt man einen beamer in den Gazastreifen?

17.2.

Der Zug ist da. Die blauen Funken schlagen ein, zwischen Schiene und Bahn, ein auf mein Herz in hohem Bogen. Initialzündung. Ich reise.
Ich war so früh aufgebrochen, aber hatte vergessen mir Geld zu überweisen auf die Kreditkarte; das Gate das noch leer war, als ich die Überweisung getätigt hatte, standen die schlangen schon an. Die Unlogik der Gate-Zahlen, die seltsame Linienführung der Absperrbänder. Mehrfach vermeintlich falsch gestande, in Wahrheit aber doch richtig. Von neuem das Ende der Schlange gesucht. Alle sehen jüdisch aus. Darf man das noch so sagen?

Die Frau bei der Securitiy in Tegel war so nett… Kompliment bekommen über die Kette. Nun doch froh gewesen, dass ich mich schön anhezogen hatte. Es war nämlich schwierig gewesen, das Packen. Nimm diesmal den großen Rollkoffer, hatte ich mir vorgenommendann musst du nicht alles zusammenquetschen und dir Sorgen machen, was Hussein da wohl für ein Geschenkpaket mitgeben wollen wird für seine Familie. Hussein lebt in Deutschland, seine Eltern und Schwestern sind noch in Gaza. Er glaubt, nicht dass er sie nochmal sehen wird. Seltsame Vorstellung, dass ich bei mir fremden Leuten wohnen darf, Geschenke mitbringe, die nicht von mir sind. Es war die Rede von einem Mantel für die Mutter, Arznei für den Vater. Was wenn es ein dicker Lodenmantel ist? Das Paket kam in letzter Minute. Aber immer ist alles letzte Minute. In letzter Minute den großen Koffer aus dem Keller geholt. Holen gewollt. Nicht gefunden. Womöglich ist er in Irland geblieben im letzten Jahr. Grund nochmal hinzufahren. Sehnsucht. Koffer in Cork, Ich hab noch einen… Und in Berlin nur das kleine Rollköfferchen. Das packe ich also.

Ich nehme mit:

einen durchsichtigen Vorhang auf den man Bilder werfen kann.

Einen Beamer.

Eine Beamerlampe.

fünfzehn Unterhosen. Einen Bikini (aber nur für Tel Aviv)

Feuchttücher, weil es oft kein Klopapier gibt, weil es oft kein Wasser gibt.

Einen Mantel.

Atrose-Medizin, Vitamine,

Schokolade, noch mehr Schokolade.

Ein Stück von der Berliner Mauer. (ich dachte, das könnte Hoffnung machen)

Atrose-Medizin, Vitamine,

Schokolade, noch mehr Schokolade.

Apotheke auf Rädern. Den Beamer ins Handgepäck, das war eh klar. Die Wahl war auf den kleinen Optomo gefallen, eben weil er Easyjet-Handgepäcksmaße hat.

Und weil dagegen der Mantel für die Mutter doch sehr auftrug, eigentlich den ganzen Koffer füllte, hatte ich überlegt, ihn einfach anzuziehen. Aber dann sitzt man im Flugzeug nach Tel Aviv wie eine muslimische Mutter. Weit war er. Weich war er. Ich werde aussehen wie ein geschrumpfter Zauberer. Sah mich schon durch die Sicherhet schweben und irgendwie daneben, auf dem Boden der Tatsachen landen.. Dass ich immer irgendwie auffallen werde. Oder will ich das?

Nein. Ich stopfe das Stoffungetüm doch in den Rollkoffer. Aber dann passte die Beamerlampe nicht mehr hinein. Also doch anziehen.Kostümberaung der Tochter. Ja, doch auf alle Fälle Mantel anziehen. Sieht gar nicht so schlecht aus. Zwar etwas schräg, aber wenn ich dazu die Sonnebrille aufsetze und versuche cool zu sein… (ich weiß, wie ich bin, wenn ich versuche bei der israelischen Security cool zu wirken. Das geht schief. Da hatte die Tochter aber den Mantel ihrerseits schon angezogen. Er sieht tatsächlich nicht schlecht aus. Aber sie kann auch alles anziehen. Sie sieht immer schön aus. Wir standen in unserer kalten Wohnung vor dem Spiegel. Warm. Weich. Anbehalten. Gar nicht erst losfahren…

 

und nun hatte ich also den Mantel doch nicht an. Die Tochter hatte ihn eingerollt und der Reißverschluß des Koffers war irgendwie doch zugegangen. Und ein Kompliment bekommen von der Securityfrau. Und die andere, die mich dann doch rauswinkte war auch nett gewesen. Tegel.

Wie wird es in Tel Aviv-Ben-Gurion? israelische Flughafen Security kostete mich die letzten Male ganze Tage.Aber niemand hielt mich auf. Seltsam. Sich beim cogat angemeldet zu haben ist vielleicht doch gut.

Kein wifi zu Ben Gurion. Hätte mich mit Dan Soderbargers Iphone verbinden können. Wollte aber nicht. Doch Flughafen WIFI! jetzt hab ich also keine zeit verloren am Flughafen, aber dann doch ewig dorte verbracht. Es ist Sabbat.  der nächste Zug fährt erst nach Sonnenuntergang. Nur teure Taxen fahren. Teilte mir dann eins mit einer Dozentin für Criminal law, die zum Carlton fuhr wegen einer Korruptions-konferenz. Also Anti-Korruptions-Symposium.  Skyline von Tel Aviv gegenüber von wild-brausendem Meer, Wind der mir entgegenstürmte. Großartig. Den Rollkoffer den rest zu meinem Hotel getragen am Strand entlang. Das alte Tel Aviv glänzte in der Ferne hinter grau-blauen wolkentürmen. Sehr schön. Fast schöner als in der gemutmaßten Frühlingshitze.

14.2. 2018 Premiere Kleists Marionettentheater. Ich fands super. länger als sonst, aber sehr rund.

13.12. 2018 Radio11

10.1. 2018

Wir hatte eine tolle Aufführung am 10. Januar zum Thema “Menschen, Götter und vergiftete Äpfel”, toll was das Publikum dabei hatte: Nikoläuse, die Weihnachten überlebt hatten, Ledergürtel, die sich als paradiesische Giftschlangen entpuppten, BVG-Pläne, die zum Olymp führten, und einen echten hölzernen Gott, der seinen Namen vergessen hatte.

apfeltina Gott impro 1001201800000074 Fotos: Mirko Grosch

Am 14.2. folgt die nächste Ausgabe der IMPRO-VISIONEN. Dann gehts um Sündenfälle und wie man wieder zurück ins Paradies findet.

[…]

27.Oktober, 2017

Hurra! Die Impro-Visionen hatten vorgestern Premiere. Hiermit ist die Reihe eröffnet. Einmal im Monat spielen wir in der Schaubude, Berlin. Immer an einem Mittwoch. Wir freuen uns auf mehr verrückte Reisen, inspiriert von den Ideen des Publikums und im Gepäck einen Haufen von Alltagskrempel, den wir verzaubern können und von dem wir uns verzaubern lassen können. Nächstes mal geht die Reise zum OST-POL!

 

 

 

  1. Oktober 2017

Bald ist es so weit! 25. Oktober, 20 Uhr. Schaubude. angekündigt als Welt-Uraufführung… – ein bißchen ist es vielleicht ja auch so. Obwohl “Aufführung” irgendwie auch nicht stimmt. A-u-f-f-ü-h-r-e-n klingt irgendwie nach ungezogenen Einzelkindern, die ihren Willen nicht bekommen und Geschrei machen. Wir sind aber fast alle keine Einzelkinder, und in diesem Format spielen die Wünsche des Publikums eine große Rolle. Und sich aufgeführt wird auch nicht. Wir spulen nix ab, alles entsteht im Augenblick und im Zusammenspiel.

 

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