… finden keine weiteren Vorstellungen statt. Die IMPROVISIONEN entstanden zwar lange vor Corona und waren in der Zeit des medizinisch bedingten Lockdowns das Format der Stunde, da sich in unserem Szenario echtes Schauspiel, handgreifliches Objekttheater, Literatur und Musik von jeweils entfernten Orten im Raum zusammensetzt und in einen live begehbaren Film mündet. Zur Zeit stehen aber klassischere Theaterformen höher im Kurs.
Wir versuchen aber an unsere letzte Arbeit “Scheherazade ringt um Worte” anzuknüpfen, die – wie viele Folgen der IMPROVISIONEN mit Künstlern im Gazastreifen zusammen umgesetzt wurden. Miriam Sachs sucht weiterhin nach Schnittstellen zwischen Gaza und Berlin. die Figur der Scheherazade aus Tausend und eine Nacht sieht sie dabei als eine Art Schirmherrin an.
1001 Nacht oder “Sheherazade ringt um Worte”
Im Projekt “Sheherazade ringt um Worte” ging es um gemeinsames Geschichten-Erzählen in der Pandemie. Es war ein Modul der Reihe ” [ZWEI] Tausend [ZWANZIG] und eine Nacht”, benannt nach der Heldin der Rahmen-Handlung aus “1001 Nacht”, die so lange am Leben bleibt, wie sie mit ihren Geschichten das Interesse der Obrigkeit, des traumatisierten und frauenhassenden Sultans, halten kann. Eine “Ist-Literatur-Systemrelevant?-Situation”, also! Auch wir glauben, daß Geschichten wichtig sind, manchmal vielleicht sogar lebenserhaltende Maßnahme sein können; besonders wenn sie gemeinsam entstehen und man sie nicht nur aufschriebt, sondern erzählt – in unserem Fall gleich über verschiedene Genre hinweg: mit Sprache, ohne Worte, mit Hilfe von Musik, Objekttheater und vor allem in Bildern
Die Aufführungen am 24. und 25. April griffen auch auf Fotos zurückgreifen, die wir in den Workshops am 28. März 2021 in den BLO-Ateliers Berlin Lichtenberg und am 30. März in Gaza gesammelt hatten (Danke dafür!). Während der Shows stand uns so ein Pool von Schauplätzen auf Papier zur Verfügung. Ebenso Gegenstände, die Besucher unserer Workshops in Gaza und in Berlin abgegeben hatten und die wir auf unserem Magischen Tisch und in unsere bespielbaren Projektionen in etwas ganz Neues verwandelten.
Sheherazade trank in Berlin auf dem Sofa einer Familie aus Gaza eine Tasse Tee oder badete in einem Sektglas mit Deeb aus Gaza auf dem Mond. Eine Schulklasse in Gaza fuhr in einem Spielzeug VW-Bus spazieren. und eine Berliner Fledermaus flog von Berlin nach Gaza und verwandelte sich dort in Batman. – In den IMPROVISIONEN ist alles möglich, das Spiel öffnet nicht nur ein Fenster in die eigene Umgebung, sondern auch eins an orten, in denen Theater und Film weder gefördert noch willkommen, manchmal sogar verboten sind. Geschichten aber, Scheherazade belegt es, sind lebensnotwendig. Wie wir diese Geschichten erzählen? – Mit Händen, Füßen, Leib und Seele, in Deutsch, Englisch, Arabisch und weitgehend: in Phantasiesprache und Musik!
Am 30. März gehts weiter. Geplant war eine öffentliche Show um 19:00, die wahrschienlich aber online stattfinden muß am 1. April um 19:00. [Updates hier!]
Es spielen und erzählen: Miriam Sachs, Kristina Feix, Andrea Mincione, Emre Birismen, Kerstin Kaernbach (Musik), Fidaa Alzaanin.
ÜBER FILM RISS THEATER
“Oh mein Gott, SIe müssen den Film wirklich lieben!”
Zitat aus Woody Allen’s “The Purple Rose of Cairo”

FILM RISS THEATER ist ein Pool von Künstlern um die Autorin und Regisseurin Miriam Sachs, die nach Schnittstellen zwischen Theater und Film suchen: Der Zauber des Augenblicks, die Publikumsnähe, die das Theater prägt, trifft auf die Intimität und die Bilderkraft des Films. So entstanden ungewöhnliche Inszenierungen wie z.B. NÄCHSTES JAHR IN JERUSALEM (Neuköllner Oper, 2009) ,ODYSSSEUS. KRIEG. ENTZUG, Theater unterm Dach 2012 oder 2013 im Ballhaus Ost: DIE KINOGÄNGE des FRANZ K. Das Hineinspringen in einen Film, ist ein Kindheitsraum von Miriam Sachs, nicht umsonst ist “The purple Rose of Cairo einer ihrer Lieblingsfilme”: Die Vorstellung im wahrsten Sinne des Wortes IN einen Film zu gehen, oder Figuren des Films in die Wirklichkeit zu holen, ist ein heimlicher Traum. Da Filme aber (meistens!) geschlossene Systeme sind, perfekte Produkte langwieriger Arbeitsprozesse, bedarf es des Theaters um ein Hintertürchen zu finden. seit 2016 entwickelte FILM RISS THEATER das Spiel in der Projektion zu einem interaktiven Format aus, das den “Film” live vor den Agen der Zuschauer entstehen läßt: durch Objekttheater, dem Spiel mit Gegenständen vor einer Insight-Kamera eines Notebooks. was sich auf der Miniaturbühne abspielt, wird im selben Moment auf einen dünnen transparenten Vorhang projiziert. Eine Leinwand die eine Spielfläche entstehen läßt die betretbar ist. Schauspieler werden dahinter zu Kollegen der Objekte. ein zauberhafter Prozess, der aber nicht nur von der Ästhetik lebt, sondern in erster Linie davon, daß Objekttheaterspieler und Schauspieler, Gegenstand und Mensch sich gegenseitig beeinflussen, ihre Bewegungen synchronisieren, von einander abnehmen.
nach diesem Grundprinzip entstand die Reihe IMPRO-VISIONEN an der Schaubude Berlin, bei der der Fokus auf dem Entstehen der Geschichten im Augenblick liegt. Die bewegten Gegenstände vor der Kamera stammen vom Publikum selbst!
Ebenfalls im Rahmen der IMPRO-VISIONEN entwickelte sich unsere ZUsammenarbeit mit Künstlern in Gaza. Das Unterformat “West Östlicher Divan” entstand. Seitdem gehen wir nicht nur “IN den Film”, spielen nicht nur mit Alltagsgegenständen, sondern beamen uns auch noch neue “echte” Kollegen dazu.
im Februar 2019 entstand unser erstes Kinderstück, frei nach einer Metamorphose des Ovid.
im Dezember 2019 hatte unsere bisher größte Inszenierung mit unseren Kollegen in Gaza Premiere: HEMINGWAY. GAZA. BIG FISH. ist wie auch das Kinderstück fest inszeniert, dennoch öffnen wir es zum Publikum hin, indem wir auch ergänzend Gegenstände aus dem Publikum einsammeln.
Ab 2021 entsteht ein neues Format, das den Vorgang des Erzählens in den Vordergrund stellt. Nach Motiven aus “Tausendundeine Nacht” ringen wir um Worte, Verständigung und vor allem um Geschichten, die beide Seiten berühren: Gaza udn Berlin. ob mit Händen und Füßen gespielt, in Bildern, Musik, Phantasiesprache oder Worten. Literatur ist eine lebenserhaltende Maßnahme.

















